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Love / Mindset

Was ich von meinem Opa über das Leben lernen durfte

Mein Opa und ich in einem Sushi Restaurant in Leipzig

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mit euch die Geschichte meines 91 jährigen Opas teilen, denn ich finde sie sehr schön und inspirierend. Er hat seine jetzige Freundin Ilse 2011 mit 82 Jahren kennengelernt – sie war damals 89 Jahre alt und ist in die Wohnung unter meinem Opa eingezogen. Wie es sich eben gehört hat mein Opa zu ihrem Einzug einen Blumentopf als Willkommensgeschenk vorbeigebracht. Als Ilse erfahren hat, dass mein Opa ein leidenschaftlicher klavierspielender Professor ist, war sie hellauf begeistert: „Ich liebe Klavier! Darf ich mal zuhören?“ war ihre Frage. So entstand nicht nur eine langjährige Freundschaft zwischen den beiden, sondern auch eine wertvolle Routine: Fast jeden zweiten Tag kam Ilse zu meinem Opa hoch und lauschte verzückt seinen Klaviersonaten. An besonders melodischen Stellen singt sie natürlich auch lautstark mit – das würde ich nur zu gern mal miterleben! Auch ein anderer Nachbar lies immer öfters seine Wohnungstür offen stehen, wenn mein Opa Klavier übte. 

Eine weitere Gewohnheit entwickelt sich über die Jahre: mein Opa lies an 2 zusammen geknüpften Schnürsenkeln mit einem Haken regelmäßig Einkäufe und kleine Aufmerksamkeiten auf den Balkon von Ilse unter ihm herab. Ilse bestand natürlich auf ein Gegengeschenk und so ist der Flaschenzug bis heute noch im Betrieb. Allerdings wohnt Ilse leider nicht mehr im gleichen Haus, denn die lebt seit ungefähr 2 Jahren im Heim nebenan.

Mittlerweile ist sie 98 Jahre alt und mein Opa 91. Die beiden treffen sich natürlich noch regelmäßig im Park und sitzen mit 2 Meter Abstand wegen Corona auf einer Parkbank. Diskutiert wird viel: über Philosophie, Politik, die Enkel und das Leben allgemein. Nur persönlich kann Ilse meinen Opa nicht mehr so oft in seiner Wohnung besuchen, aufgrund der Treppenstufen. Daher genießt sie seitdem die Sonaten meines Opas über das Telefon im Heim! Natürlich wird auch da ab und zu mitgesungen und das Telefonat wird mit einem langen Gespräch anschließend abgerundet. Die beiden gingen auch noch so oft es geht in Konzerte des Gewandhaus und in die Oper Leipzig, wo mein Opa stets Mühe hatte Ilse vom Mitsingen abzuhalten.

Was für eine schöne Geschichte! Ich habe Ilse bei einem Familienessen mal gefragt, in welchem Alter sie ihr Leben am schönsten fand, denn sie hatte bereits einiges erlebt! Daraufhin sagt sie mir entschieden „Mit 60! Da fängt das Leben richtig an. Ich konnte mit 60 ganz viel reisen und das Leben genießen. Reisen ist das schönste überhaupt, denn es erweitert den Horizont und es gibt so viel Schönes zu sehen auf dieser Welt“. Ihre Worte und auch die Geschichte von den beiden begleiten und inspirieren mich seitdem. Wie gut es mir doch bereits mit 31 Jahren geht – und wie wird es wohl sein, wenn ich selbst 60 bin? Auf jeden Fall freue ich mich darauf und versuche keine Angst vor dem Älter werden zu haben. Stattdessen genieße ich jeden Tag den in gesund leben darf noch ein Stückchen mehr. Ich danke den beiden von Herzen dafür und wünsche mir sehr meinen 40. Gebutstag zusammen mit dem 100. Geburtstag meines Opas in 9 Jahren gemeinsam richtig gross feiern zu können! 🙂

Mein Opa, genannt „Opsel“ und ich in einem Sushi Restaurant in Leipzig
„Opsel“ und Ilse bei meinen Eltern im Garten
„Opsel“ und ich bei einer gemeinsamen Shoppingtour im März 2020 – kurz bevor Corona losging
Und auch während Corona sehen wir uns natürlich – mit 2 Metern Abstand – im Park

About Author

Green networker & mountain enthusiast & volunteer for Let's Clean Up Nepal

1 Comment

  • Manon
    8. Mai 2020 at 12:44

    Sehr schön!! Ich freue mich auch über jeden neuen Tag und jede neue Erfahrung!

    Reply

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