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10 Tage Annapurna Circuit Trekking: mein anstrengendstes und schönstes Erlebnis überhaupt!

Schon so lange wollte ich über dieses Erlebnis schreiben, denn es gehört zu den intensivsten, schönsten, aber auch anstrengendsten Erfahrungen meines Lebens. Als ich mit meinem Freund unsere sechsmonatige Auszeit geplant habe war das erste Land das wir auf der Liste hatten: Nepal! Wir beide haben schon immer davon geträumt das Himalaya und seine höchsten Gipfel dieser Welt mit eigenen Augen zu bewundern! Natürlich wollten wir ein Trekking machen und da wir beide lieber unabhängig sind von einem Guide bzw. von einer Reisegruppe haben wir uns für den Annapurna Circuit entschieden. Denn den kann man easy ohne Guide und Träger allein in seinem eigenen Tempo bewältigen.

Angekommen Anfang November in Kathmandu waren wir glückselig berauscht vom dem Trubel, den unglaublich freundlichen Menschen und der fremden Kultur! Unser Abenteuer ging los, wir liebten das Touristen Viertel Thamel in Kathmandu und genossen das lokale Bier („Nepal Ice“, „Everest“) und leckere Momos (gefüllte Teigtaschen) in vollen Zügen.

Angekommen in Kathmandu – Thamel

Wir starteten unser Trekking am offiziellen Startpunkt auf 1000 Meter Höhe in dem kleinen Dorf Besisahar. Ich würde jedem empfehlen von dort aus und nicht weiter höher zu starten, denn die Landschaften sind wunderschön und es ist toll zu sehen, wie sich die Vegetation mit der Höhe verändert. Vorbei an Reisfeldern, Bananenplantagen, Wasserfällen, reißenden Flüssen, süssen Dörfchen mit eigenen Obst- und Gemüseanbau. Überall Gastfreundschaft, Möglichkeiten zum Einkehren, Essen und Schlafen – die Wahl des Schlafplatzes fällt schwer bei so viel Auswahl und Gastfreundschaft. Oft kann man umsonst übernachten, wenn man im Guesthouse isst. Mein Rucksack wiegt ohne Wasser um die 9kg. Mich überkommen starke Zweifel auf den ersten Kilometern, denn er kommt mir so unglaublich schwer vor. Den soll ich jetzt mindestens 10 Tage schleppen bis über 5416 Meter hoch und wieder runter? Unvorstellbar. Doch weiter geht´s, die Rückenschmerzen kommen. Doch sie gehen auch wieder. Schon nach 2 Tagen hat sich mein Körper an das Gewicht gewöhnt und ich spüre den Backpack gar nicht mehr!

Wir treffen in den ersten Tagen nur auf wenig andere Trekker, da die meisten weiter oben starten (und somit meiner Meinung nach einen der schönsten Abschnitte verpassen..). Je höher wir kommen, desto mehr Trekker treffen wir und schnell schließen wir Freundschaften. In den Unterbringungen wird es immer voller abends, es wird Karten und Gitarre gespielt, man wärmt sich am Feuer, lacht zusammen, teilt Blasenpflaster und Tipps. Man isst Knoblauchsuppe (ist anscheinend gut gegen die Höhenkrankheit), Yak Käse, Dal Bhat oder Nudeln (jedes Guesthouse hat eine ähnliche Essenskarte) und auf Alkohol wird wegen der Höhe verzichtet. Leider wird es auch mit zunehmender Höhe immer kälter und wir bereuen unsere schlechte Ausrüstung, vor allem unsere geliehenen Schlafsäcke aus Kathamandu entpuppen sich als absolut nicht ausreichend wärmend… Zum Glück bekommt man in jedem Guesthouse meistens kostenlos extra Decken. Ich weiss nicht was wir ohne diese Zusatzdecken gemacht hätten, jedenfalls habe ich immer mit meiner kompletten Kleidung, Pulli, Kapuze, Stirnband etc geschlafen. Nicht sehr romantisch, vor allem wenn man sich morgens bei Nullgraden mit Muskelkater aus dem Bett schält. Doch schon nach Tag 4 werden wir mit einem atemberaubenden Blick auf den in Morgenlicht überfluteten Annapurna 2 Achttausender Gipfel belohnt! Unreal, wunderschön und mächtig erscheinen uns die weissen Berge die uns mehr und mehr umgeben. An Tag 5 werden wir sogar Beobachter aus sicherer Entfernung einer spektakulären, kilometerlangen Lawine an der Nordwand des Annapurna 2. Anschließende Stille und Gänsehaut pur!

Lawine auf dem Annapruna 2

Besonders gut gefällt uns das „New Jaks Hotel“ in Bhraka auf 3400 Meter Höhe: atemberaubende Lage mit Blicken auf den Annapurna 3, warme Gasduschen, geselliger Aufenthaltsraum mit Kamin, Yaks-Käse-Burger und viele liebe Bekanntschaften die wir wiedertreffen. Hier machen wir eine erste Pause und bleiben insgesamt 3 Nächte- auch um uns gut zu akklimatisieren. Sehr zu empfehlen ist die Tagestour zum Ice Lake mit einer Höhe von 4600 Metern. Dieses Höhentraining bietet wirklich unbezahlbare, wunderschöne Ausblicke.

Ice Lake auf 4635m

Blick auf den Annapurna 3 auf dem Weg hoch zum Ice Lake.

dav

Ab 4000 Höhenmeter spüren wir die Höhe immer deutlicher: mein Freund körperlich (Kopfschmerzen & Schwindel) und ich eher mental. Zweifel und Ängste schleichen sich ein: schaffen wir wirklich die Passüberquerung? Sollten wir lieber umkehren? Die Tagesmärsche werden immer anstrengender. Mein Appetit verschwindet und ich leide unter Sodbrennen. Irgendwas tut mir immer weh. Nachts schlafen wird schlecht aufgrund wirrer Träume und der Kälte. Schließlich erreichen wir das höchste Schlaflager der Trekkings: das „High Camp“ auf 5000 Meter. Wenn wir hier übernachten müssen wir am nächsten Tag nur noch 400 Höhenmeter bewältigen, um über den Torong Pass zu kommen. Doch die Höhe macht mir Angst, jeder Atemzug fällt schwer, eine zu schnelle Bewegung führt zu Schwindel und Atemnot. Panik überkommt mich. Doch zum Glück treffen wir auch hier auf viele Trekkingfreunde die mich beruhigen. Man wärmt sich am Feuer, trinkt Tee, isst etwas Reis, lacht zusammen. Die Kopfschmerzen vergehen. Auch die Nacht bei minus 15 Grad überstehen wir ganz gut dank Extra-Decken. Obwohl man ab und zu wach wird, denn bei jedem schnellen Umdrehen im Bett kommt die Atemnot. Doch der Sternenhimmel ist atemberaubend! Am 24.11.2018 wagen wir also die Torong Pass Überquerung. Auch wenn wir nur noch 400 Meter hochsteigen müssen, war es die anstrengendste Erfahrung die ich je gemacht habe. Jeder Meter ist eine Qual. Ständig blicke ich nach oben mit der Hoffnung den Pass und die Flaggen bald zu sehen und werde oft enttäuscht. Als wir den Pass schließlich erreichen ist die Freude und Erleichterung unbeschreiblich. Mir kullern die Tränen übers Gesicht, wir haben es tatsächlich geschafft! Nach 9 Tagen hochsteigen können wir nun wieder absteigen! Wir bleiben nur ein par Minuten an der Passüberquerung um schnell Fotos zu machen. Wir wollen nur wieder runter. Innerhalb kürzester Zeit steigen wir 1700 Höhenmeter ab, es fühlt sich wie fliegen an. Mit jedem verlorenen Höhenmeter fühlen wir uns besser: Atmen geht leichter, der Appetit kommt zurück, Kopfschmerzen verschwinden, die Lebensgeister werden wach. Wir haben unglaublich Durst und Hunger und stürzen uns im ersten Guesthouse auf Spaghetti und Cola. In Muktinath kehren wir im „Bob Marley Hotel“ ein und sind richtig berauscht von unserem Glück alles gut überstanden zu haben! Auf der Sonnenterrasse genießen wir nach einer warmen Dusche das lang ersehnte Bier und die wärmeren Temperaturen. Was für ein tolles Erlebnis! An das ich mich mein ganzen Leben lang gerne zurück erinnern werde. Namasté!

PS: Falls du auch ein Trekking machen willst und noch Fragen hast, melde dich gern bei mir!

Hier kannst du mir schreiben

Kurz vor dem Highcamp

„Highcamp“ auf 5000m und der Torong Pass.

Angekommen auf 5416m

Es geht endlich wieder bergab!

Das Dorf Muktinath auf 3970m.

Meine Tipps für alle die es auch angehen:

  • WENIG packen!!! Grundregel Nummer eins . Man packt IMMER zuviel und bereut es anschließend. Für 10 Tage hatte ich: 1 lange Trekkinghose. 3 Shirts. 2 Sport-BHs. 1 warmen Wollpullover. 1 dicke Daunenjacke. 1 warmes Stirnband. 1 Regen- & Windjacke. 1 Jogginghose für Abends. 1 Leggings. Richtig warme Handschuhe. 3 warme Wandersocken und 1 par Skisocken für abends. 2 lange Thermoshirts. Gute Trekkingschuhe (leicht aber trotzdem alpin & schneefest). 1 par Nikes (abends und falls Trekkingschuhe wehtun zum Wechseln). Stirnlampe. Genug Bargeld. Ohrstöpsel. 2 Liter Wasserbeutel für Rucksack. Schlafsack (bis -10 Grad!!). Wanderstöcke. Sonnencreme. Reiseapotheke (Verband, Pflaster, Schmerztabletten!). Wanderkarte (gerade am Anfang sind die Wege nicht sehr gut zu finden).
  • Gehe langsam und im eigenen Tempo. Am besten immer etwas unterhalb schlafen der am Tag erreichten maximalen Höhe. So akklimatisierst du dich besser. Höre auf deinen Körper, auf keinen Fall Kopfschmerzen mit Schmerztabletten ignorieren! Wenn es dir nicht gut geht, steig wieder ab und warte bis es dir wieder besser geht.
  • Kein Fleisch (es hat lange Transportwege hinter sich- könnte daher verdorben sein… wir haben wirklich viele getroffen mit Gastro..), kein Alkohol! Dafür viel Wasser trinken, grosses Frühstück (zb Müsli mit Apfel oder Omlette), kleine Snacks für Stärkung tagsüber und deftiges Essen abends im Guesthouse. Knoblauchsuppe 🙂
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Green networker & mountain enthusiast & volunteer for Let's Clean Up Nepal

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