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Roadtrip durch Ostkanada und warum es manchmal gut ist sich bei McDonalds die Zähne zu putzen

Jetzt kommt ENDLICH – auch wenn 2 Jahre verzögert – ein Artikel über meinen Roadtrip in Ostkanada mit meinem französischen Lieblingsmitbewohner Philippe.  Unsere Tour war schon grob ein halbes Jahr vorher geplant: Flug nach Montreal- zwei Nächte dort, dann weiter mit dem Nachtbus nach New York (jaaa das war schon EWIG auf meiner Bucketlist!). Dort sind wir nach einer Woche verrückten fast schlaflosem Erkundungswahn nach Toronto geflogen, wo wir nach vier Tagen Erholung inklusive 4 neuen Tattoos (ich eins und Philippe drei) mit einem riesen Grand Caravan Richtung Niagara Fälle losgedüst sind. Warum die Tattoos ist vielleicht auch ein guter nächster Blogbeitrag.

Was war jetzt so besonders an dem Roadtrip? Zu allererst muss man sagen, dass wir so richtig NULL ausgestattet waren. Das heisst wir haben uns erst unterwegs in einem riesigen kanadischen Baumarkt billige Strandmatten gekauft, die dann als „Matratze“ gedient haben. Kochausrüstung, Wasserkocher, Taschenlampe usw. hatten wir auch nicht. Was dazu geführt hatte, dass wir tatsächlich jeden Morgen ein „Kaffeeproblem“ hatten, denn ohne Kaffee bekommen wir nicht nur schlechte Laune, sondern auch Kopfschmerzen. Obendrauf hatten wir dank unserer unsagbar schlecht getimten neuen Tattoos ein „Reinigungsmalheur“, denn – wie ich nach dem Tattoo stechen erfahren habe – muss man so etwas frisch Gestochenes jeden Morgen und Abend reinigen (damit sich das nicht entzündet). Wir wollten aber so richtig into-the-wild, also so wenig wie möglich auf Campingplätzen schlafen (so alle zwei bis drei Tage wenn man wirklich dringend ne Dusche nötig hat). Ich bin absolut kein Fan von McDonalds und Fast Food, aber während des Trips waren wir ziemlich oft dort- vor allem morgens nach dem Aufstehen. Grund: es gab dort billigen Kaffee, kostenloses WLAN und – natürlich ein Waschbecken auf dem Klo wo ich mein Tattoo waschen und Zähne putzen konnte. Anfangs schon etwas peinlich- aber das legt sich mit der Zeit. Und was bitte ist daran jetzt gut?

Mir hat dieser Trip ohne grossen Schnickschnak unglaublich gut getan – vor allem weil ich nach fast vier Jahren Luxusleben in der Schweiz etwas verwöhnt bzw. undankbar geworden bin. Das fällt mir vor allem auf, wenn ich mit „alten“ Freunden aus Leipzig spreche. Der Lebensstandard in der Schweiz ist so unglaublich hoch und man gewöhnt sich einfach viel zu schnell daran! Daher war das die allerbeste Erfahrung für mich seit langem: auf einem superharten Autoboden schlafen anstatt im geliebten Boxspringbett (die Strandmatte war schon echt dünn), morgens aufstehen und ohne Dusche einfach loscruisen, kein Wlan, kein Strom, keine Küche, keine Kaffee, kein Föhn, kein Glätteisen, keine Privatsphäre (war schon echt eng), wenig Platz (man sucht eigentlich ständig nach etwas) und irgendwann waren alle Sachen irgendwie muffig. Im Gegenzug bekamen wir ein Gefühl von unbegrenzter Freiheit, denn wir konnten ja überall einfach stehen bleiben und übernachten! Ob in dem superteuren Örtchen Niagara-on-the-lake oder inmitten von Ottawa direkt auf einem Parkplatz hinter einer Partymeile: wir waren vollkommen unabhängig. Kein guter Platz für ein Frühstück? Kein Problem dann fahren wir einfach ein Stück weiter, bis wir eine hübsche Stelle an einem schönen See entdecken. Fenster auf, Musik an und der Sonne durch die herbstfarbenen Kurven entgegen. Unglaublich toll waren auch die Abende zu zweit inmitten der tiefen Nationalparks. Um uns herum nur Stille und Schwärze und wir sassen mit ein par Kerzen, Tim Hortkins Pappbechern und einem Kanister Rotwein an einer Holzbank. Man spielt UNO und philosophiert über das Leben. So richtig schön! Natürlich hat man manchmal kurz Angst ein Bär nähert sich von hinten. Aber wir hatten nur immer ganz viel Gesellschaft von süssen Eichhörnchen.

Fazit: Es tut uns selbst so unglaublich gut raus aus seiner Routine zu kommen und mit so wenig Komfort wie möglich zu leben. Wie toll ist es doch, wenn man danach wieder nach Hause kommt – und in einem richtigen Bett schläft!!! Morgens nach dem Aufwachen eine Toilette, Kaffee und Dusche hat! Dann schaut man die Dusche und auch den Kleiderschrank, Küche usw.  mit ganz anderen Augen an. Und begreift wie dankbar man doch sein kann für das was man hat.

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Green networker & mountain enthusiast & volunteer for Let's Clean Up Nepal

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