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MOST Höllischste Zugfahrt

Diese Zugfahrt ist zwar schon ein Weilchen her, hat sich aber in mein Gedächtnis eingebrannt! Es war im Winter 2010, wo ich mich auf die Reise von Nordfrankreich (in Lille habe ich 3 Jahre studiert) durch den massigen Schnee bis nach Leipzig zum Weihnachtsfamilienfest durschlagen wollte. Eigentlich war geplant, die erste Strecke bis nach Münster per Auto mit meinem französischen Mitbewohner zu bewältigen, der hatte mich jedoch nach weltuntergangsähnlichen Wettervorhersagen im Stich gelassen. Ich musste mir daher spontan ein Zugticket kaufen und war etwas frustriert jedoch guter Dinge. (Für den gleichen Preis hätte ich wohl auch ne 3-monatige Aida-Reise durch die Karibik bekommen…)

Der Ort des Schreckens...die MOST höllischste Zugfahrt.

Der Ort des Schreckens…die MOST höllischste Zugfahrt.

Die Zugfahrt startete aufgrund eines riesigen Verkehrschaos dank landesweiten Schneefall erst 2 Stunden später. Im Zug haben sich anschließend gefühlte 25 Familien mit jeweils 8 Kindern in meine direkte Umgebung gesetzt – nicht mal der MP3 Player vermochte diesen Kriegszustand zu übertönen. Ziemlich genervt (sich in Sachen reinsteigern kann ich gut) steckten wir schon fast eine Stunde in Solingen fest, als dann auch noch die Durchsage ankündigte, dass aufgrund von technischen Schwierigkeiten der Zug bis auf weiteres nicht weiterfahren kann. Mein Blutdruck erreichte also den Gipfel und ich beschloss mich an frischer Luft, in kinderfreier Umgebung mit einer Zigarette zu beruhigen. Mein großes Gepäck vollgepackt mit Geschenken ließ ich im Zug und nahm nur die Handtasche mit raus… Naja und was jetzt kommt kann man sich schon denken: noch nicht mal die Zigarette zu Ende geraucht schlossen sich auf einmal die Türen und wie in Zeitlupe setzte sich der Zug in Bewegung. OHNE MICH! Ich sah entgeistert auf meine Reisetasche, wie sie sich langsam fortbewegte und dachte ich müsse in Ohnmacht fallen. Der Zug war weg und ich in Solingen.
Es folgten panische Anrufe an meine Freunde in Münster, meine Mutter, meinen Freund – ich wusste nicht wie ich da weg kommen sollte, denn planmäßig war es der letzte Zug an diesem Tag. Doch Glück im Unglück hatten alle Züge dank des Schneefalls eine wahnsinnige Verspätung und circa 30 Minuten später konnte ich in den nächsten Regionalzug einsteigen. Doch meine Tasche fuhr noch immer unkontrolliert und allein durch Westdeutschland und in Gedanken verabschiedete ich mich von meinen Mitbringseln, Uni-Heftern, Kosmetik, Lieblingsklamotten usw. – der Alptraum einer jeden Frau! Kurze Zeit später erhielt ich eine SMS von meinem Vater, der gerade auf Dienstreise in Japan war: „Was treibst du schon wieder? Wieso bekomme ich ne SMS von einem Jens wegen deiner Tasche?“. Ich kapierte sofort: jemand hatte mein Unglück sowie die Kontaktadresse an meiner Tasche bemerkt und sich aus Mitleid gemeldet. Jedoch hatte ich zuvor mit meinem Papa die Handykarten getauscht, deshalb bekam er die SMS vom Retter namens Jens. Um es kurz zu machen: umständlich bekam ich schließlich die Nummer von meinem Papa aus Japan von Jens, der meine Tasche hatte und wissen wollte was er damit tun soll. In diesem Moment geht der Akku meines Handys aus. Eine Frau neben mir musste herhalten und ich zwängte meine Sim-Karte mit der Nummer von Jens in ihr Handy – sie hatte aufgrund meiner aufsteigenden Panik keine Chance zur Gegenwehr. Jens entpuppt sich als hilfsbereiter Taschenretter und wartete sogar 30 Minuten an irgendeinem Bahnhof  vor Münster auf meinen Zug, um mir dann heldenhaft und unglaublich dramatisch meine Tasche wieder zurück zu geben!!! Ich hätte heulen können (hab ich auch).

Das war dann der glücklichste Moment während der höllischsten Zugfahrt EVER! Nichtraucher bin ich übrigens seit zwei Jahren.

Was habt ihr schon erlebt? Geht´s noch schlimmer?

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Green networker & mountain enthusiast & volunteer for Let's Clean Up Nepal

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